Das Stuhawieble
Eine alte Frau mit weißem Kopftuch im Kirchturm, ein Besen und ein Pfiff – die Schrunser Kinder kannten sie gut.
Eine Überlieferung, kein historisch belegtes Ereignis.
Im Kirchturm von Schruns, so hat man den Kindern erzählt, wohne das Stuhawieble: eine alte Frau mit einem weißen Kopftuch. Wer abends noch draußen war, obwohl er längst hätte heimgehen sollen, den jagte sie mit dem Besen die Gasse hinunter, und dazu pfiff es durchdringend.
So weit ist es eine Schreckgestalt, wie es viele gibt – eine, mit der man Kinder ins Haus bekam.
Das Bemerkenswerte steht daneben: Aus dem Stuhawieble wurde ein Kinderspiel. Ein Kind übernahm die Rolle, zeichnete einen Garten auf den Boden und gab den anderen auf, ihn zu säen. Während das Stuhawieble schlief, machten die anderen die Beete kaputt – dann wachte es auf und jagte sie mit dem Besen. Aus der Figur, vor der man sich fürchten sollte, war eine geworden, über die man lachen konnte.
Dass eine Sage so kippt, ist im Montafon nichts Besonderes: Vieles, was heute als Erzählung dasteht, war zuerst eine Erziehungshilfe und wurde dann ein Spiel.
Schauplatz: Schruns. Eine genauere Lage ist nicht belegt.
Quellen
- Hauptquelle Franz Josef Vonbun: Die Sagen Vorarlbergs
- sagen.at – Sagen aus Montavon (Titelverzeichnis)
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